Archiv der Kategorie: Rohstoffe

Neroli

Das Neroliöl wird aus der Blüte der Bitterorange (Pomeranze) gewonnen.

Traditionell wird die Herkunft von Neroli Sizilien zugeschrieben. Den poetischen Namen hat das Öl von der sizilianischen Herzogin Flavia Orsini, genannt Nerola. Die Herzogin, die im 17. Jahrhundert den Duft des Bitterorangenbaumes über alles liebte, parfümierte sich und ihre Umgebung gerne damit ein. Heute findet der Anbau des Bitterorangenbaumes vorwiegend in Tunesien, Marokko, Algerien und Spanien statt.

 

Mediterranes Flair

Das Neroliöl gehört zu den erlesenen Luxusölen. Die Gewinnung ist sehr aufwendig und nicht sehr ergiebig. Die Blüten werden von Hand gepflückt. Es werden nur diese verwendet, welche sich gerade geöffnet haben. Aus 1.000 kg Blüten gewinnt man mittels Wasserdampfdestillation 1 kg ätherisches Öl. Es eignet sich in der Parfümherstellung für blumige Duftkompositionen und bildet die Grundlage des Eau de Cologne. Sizilianisches Neroli hat eine besonders frische Note, marokkanisches duftet etwas weicher. Neroliöl holt mediterranes Flair nach Hause und sein sonniger Duft lässt unsere Stimmung höher schlagen. Daher ist es eines der wichtigsten ätherischen Öle in der Aromatherapie. Es entspannt, beruhigt und harmonisiert, da es die Serotoninproduktion anregen kann. Zu wenig Serotonin im Körper verursacht Schlaflosigkeit, innere Unruhe und Nervosität. Für die Hautpflege ist das Neroliöl sehr geeignet. Es regt das Wachstum der Hautzellen an und fördert dadurch ein schöneres Hautbild.

Düfte mit Neroli*

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Schwarze Johannisbeere

Die Schwarze Johannisbeere (franz. Cassis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Johannisbeeren. Sie wächst auf feuchten, nährstoffreichen und anmoorigen bis tonigen Böden.

Der 1-2 Meter hohe sommergrüne, winterharte und langlebige Strauch hat bis zu 10 cm breite, herzförmige Blätter. Die kleinen unscheinbaren Beeren sind hängend und traubenförmig angeordnet. Die Blütezeit ist in den Monaten April und Mai. Die Schwarze Johannisbeere wird zu Gelee oder Konfitüre verarbeitet und als Saft getrunken.

 

Charakter von Originalität

Der Blütenknospenextrakt wird vor allem für die Herstellung von Damenparfüms verwendet und gibt floralen Düften eine fruchtige, säurige und stärkende Note. Die hochgeschätzten fruchtigen Noten werden meistens synthetisch produziert und verleihen Parfüms dennoch einen Charakter von Originalität.

Düfte mit Schwarze Johannisbeere*

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Zimt

Der Zimt ist ein Gewürz, das aus der getrockneten Rinde von Zimtbäumen stammt; einem immergrünen Baum, der im tropischen Klima wächst.

Zimt ist eines der ältesten Gewürze. Es wurde in China schon vor 5.000 Jahren verwendet. Seit 1275 werden Zimtbaumkulturen auf Ceylon angebaut. In der Bibel wird es unter dem Namen „Kinamom“ erwähnt. Der Portugiese Vasco da Gama brachte 1502 von der südindischen Insel Ceylon, dem heutigen Sri Lanka, dieses Gewürz nach Europa. Im 16. bis 18. Jahrhundert galt er als das Gewürz der Reichen, da es besonders teuer und kostbar war. Die beste Qualität besitzt der aus Sri Lanka kommende Ceylon-Zimt.

 

Würzig & orientalisch

Alle 2 Jahre werden die Bäume gerindet und es wird dabei die dünne Innenschicht zwischen Borke und Mittelrinde verwendet. Diese rollt sich dann röhrenartig zum Stangenzimt zusammen. Die geernteten Stücke werden 24 Stunden lang luftgetrocknet und zum gleichmäßigen schneiden ineinander gedreht. Aus diesen Stücken wird durch Wasserdampfdestillation das Öl gewonnen, welches als Duftstoff vor allem in würzigen und orientalischen Düften verwendet wird. Die besten Stücke werden als Stange oder in gemahlener Form zum Aromatisieren von Gewürzwein, Fleichgerichten, Süßspeisen und Gebäck verwendet. Der Ceylon-Zimt wirkt verdauungsfördernd, antiseptisch und stärkt die Nerven.

Düfte mit Zimt*

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Moschus

Der Moschushirsch – früher Opfer, heute streng geschützt

Ohne Geweih, aber mit bis zu sechs Zentimeter langen, hauerartigen Eckzähnen im Oberkiefer sehen Moschustiere auf den ersten Blick gar nicht aus wie Hirsche. Und tatsächlich nehmen sie eine Sonderstellung ein. Über 20 Millionen Jahre veränderten sie sich kaum und verkörpern einen urtümlichen, von Anfang an erfolgreichen Urtypus der Hirschartigen.

Moschustiere sind ausgesprochene Gebirgsbewohner, die in den Rhododendron-Bergwäldern von Kaschmir und Tibet über Südsibirien bis Korea und der fernöstlichen Insel Sachalin vorkommen. Sie leben in Herden und fressen über 130 verschieden Pflanzenarten, häufig sind sie sogar auf von Bäumen herabhängende Flechten spezialisiert. Sie sind die einzigen Hirsche, die mühelos schräge Bäume bis zu den Kronen ersteigen können und dort Blätter, Zweige und Baumflechten abfressen. Und noch eine Besonderheit: Männliche Moschustiere besitzen eine walnussgroße Drüse vor den Geschlechtsorganen, die einen besonderen Stoff produziert – das sagenumwobene Moschus, begehrter Rohstoff für die asiatische Volksmedizin, legendäres Elixier für teure Parfüme.

Zur Gewinnung des Moschus wird die Brunftdrüse, die bis zu 30 g des von den Weibchen begehrten Lockstoffes enthält, dem erlegten Tier entfernt und getrocknet. Einige der mindestens vier Arten stehen am Rande der Ausrottung. Deshalb gelten sämtliche Moschustierarten in ihren Verbreitungsgebieten – von Russland im Norden bis Vietnam und Indien im Süden – als gefährdet und fallen unter die jeweils nationalen Schutzgesetze. In China werden seit den sechziger Jahren Moschustiere in Farmen gehalten und gezüchtet. Diese Anlagen könnten ein Ausgangspunkt für eine dauerhafte, die Wildpopulationen schonende Gewinnung von Moschus sein.

 

Moschus als Allheilmittel

Moschus ist seit dem Altertum die am meisten geschätzte tierische Droge, eingesetzt als Heilmittel gegen allerlei Arten von Beschwerden. So verschrieben mittelalterliche Ärzte Moschus bei Geisteskrankheiten und Nervenleiden und als „Bisamäpfel“ trug man ihn in Beuteln um den Hals, um sich gegen Pest zu schützen. In China wurde er schon Jahrhunderte vor Christus als Allheilmittel benutzt, welches das Nervensystem und die Schweißsekretion anregt, krampfstillend ist und Puls und Atem beschleunigt. Die Kreuzritter brachten Moschus nach Europa, wo er als Aphrodisiakum bekannt wurde, denn Moschus ist ein Pheromon, das die menschlichen Sexualdrüsen beeinflusst. Marco Polo verwendete Moschus als Zahlungsmittel auf seinen Reisen. Auch der Prophet Mohammed galt als ausgesprochener Liebhaber des Duftes und schätzte ihn sehr.

 

Moschus heute – Produkt der Synthese

In der Parfümindustrie Europas wird heute – im Gegensatz zu den letzten Jahrhunderten – fast nur noch künstlich hergestellter Moschus verwendet. Neben den Duftkomponenten des echten Moschus, hier unterscheidet man im Wesentlichen vier Sorten: den als beste Sorte gebräuchlichen Tonkin-Moschus aus China und Tibet, den Assam- od. Bengal-Moschus aus Indien, den Russischen-Moschus und den preiswerten Bucharischen Moschus, gibt es ca. 1.000 Substanzen, die einen Moschus-ähnlichen Geruch haben. Als Moschus-Ersatz sind davon nur etwa 30 von Bedeutung. Da der Naturstoff selten und teuer ist, werden seit Jahren große Mengen der synthetischen Moschusverbindungen hergestellt, da sie relativ einfach und preiswert produziert werden können. Riechstoffhersteller synthetisieren und mischen Moschus unter sehr viele Parfüms, da es als sogenannter Fixateur gilt. Es sorgt dafür, dass der Duft und seine einzelnen Bestandteile länger auf der Haut haften. Moschus hat die unerreichte Fähigkeit, eine Parfüm-Komposition zu beleben, die Ausstrahlung zu verstärken, zu harmonisieren und abzurunden.

 

Moschus – in der Parfümherstellung unersetzlich

In natürlichem Moschusextrakt und seinen synthetischen Nachbildungen sind zwei Duftelemente vereint: ein animalischer Akkord mit ledrigen, haar- und urinartigen Aspekten und eine strahlend süße Note.  Animalisch – in der Parfümerie ist das die Bezeichnung für die verwendeten Duftnoten der vier Riechstoffe aus dem Tierreich: Moschus, Ambra, Zibet und Castoreum. Ihre Gemeinsamkeiten sind neben außerordentlicher Haftung und Ausstrahlung eine gewisse „Wärme“ des Duftcharakters. Die animalischen Duftnoten erinnern an die Wärme des menschlichen Körpers und vermitteln sowohl die Empfindungen der Geborgenheit wie die des sexuellen Reizes. Voraussetzungen für das Auslösen solcher Empfindungen durch Parfüms ist allerdings, dass die animalischen Riechstoffe gekonnt und sparsam eingesetzt werden, denn sobald sie so stark sind, dass man sie bewusst wahrnimmt, wirken sie genauso unangenehm wie zu intensiver Körpergeruch.

Die meisten der synthetischen Riechstoffe, die der Parfümeur als Moschusriechstoffe bezeichnet, besitzen nur eine süße Note. Sie verleihen einer Duftkomposition feine Wärme und Strahlung. Der Ausdruck „Moschusnote“ kann beim Parfümeur sowohl diesen zarten Glanz wie auch eine strenge animalische Herbheit bezeichnen. Während Moschus bei der überwiegenden Mehrzahl der Düfte als Begleitnote oder zum Ausklang im Fond eingesetzt wird, gibt es auch spezielle „Musk-Parfüms“ die ganz auf die erotische Wirkung und Anziehungskraft auf das andere Geschlecht setzen. Sie werden hauptsächlich am Abend getragen, um ihre Wirkung voll entfalten zu können.

Düfte mit Moschus*

Bildnachweis: Morphart – Fotolia / Textnachweis: beautypress.de / *Werbelinks

Eichenmoos

Das Eichenmoos ist eine Flechte, die strauchförmig auf Stämmen und Ästen wächst.

Die gelbgrüne Flechte kommt ursprünglich aus Europa und Nordamerika. Die Flechte, die speziell in Südfrankreich, Mazedonien und Bulgarien gesammelt wird, überzieht an windoffenen Standorten die Baumstämme mit einem dichten Teppich. Die Eiche war schon für die Griechen der Schöpfungsbaum aus dem die Menschheit entsprang und wurde Zeus geweiht. Auch die Römer verehrten diesen Baum; sie weihten ihn Jupiter.

 

Aufwendiges Destillierverfahren

Die verschiedenen Flechentsorten, die wegen ihrer unterschiedlichen Duftqualität verwendet werden, stammen von Zedern, Pinien oder Tannen. Diese Auszüge werden häufig mit echtem Eichenmoos kombiniert. Mit einem aufwendigen Destillierverfahren gewinnt man das sogenannte „mousse de chêne“ oder „mousse odorante“. Das Absolue, das mit Alkohol aus dem konkreten Öl herausgezogen wird, verwendet man in der Parfümherstellung für zypressenartige, holzige und orientalische Kompositionen. Eichenmoos wird aufgrund seines dunklen Farbtons nur sehr begrenzt verarbeitet. Jedoch werden von den Parfümdesignern die zahlreichen farblosen Varianten in jeder Dosierung verwendet, da Moos ein wichtiges Element im Chypre-Akkord ist und dem Parfüm Substanz, Reichhaltigkeit und Wärme verleiht. Die Noten des Eichenmoos erinnern an den Duft von Wäldern und Unterholz. Eichenmoos ist am 01.01.2010 von der IFRA ( International Fragrance Association ) als Inhaltsstoff für die Herstellung von Kosmetik und Parfüm verboten worden; es wurde in Europa als Allergen eingestuft. Produkte mit Eichenmoos müssen reformiert (umgestaltet) werden.

Düfte mit Eichenmoos*

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